Mitarbeiter halten, gewinnen, zurückholen!

Unsere Mission

Der flächendeckende Mitarbeiter:innen-Mangel in Deutschland trifft die Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie (Gastwelt) in besonderem Maße. Viele Probleme und Versäumnisse sind hausgemacht, einige politisch verursacht, andere stehen in direktem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Megatrends, globalen Entwicklungen und aktuellen Krisensituationen.

Wir glauben daran, dass die Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie einer der spannendsten und attraktivsten Wirtschaftssektoren der Zukunft ist. Wir wollen die besten Gastgeber:innen der Welt daher auch zu den besten Arbeitgeber:innen der Welt machen.

Um das zu schaffen, gehen wir inhaltlich nicht nur neue Wege und beleuchten das Thema von unterschiedlichen Seiten, sondern versuchen immer wieder zu verdeutlichen, wie hoch die wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Relevanz hunderttausender Gastwelt-Betriebe ist.


Ist-Analyse & langfristige Trends

Demographischer Wandel/Arbeitnehmermarkt:

  • Bis 2030 scheiden in Deutschland knapp 3,6 Mio. Menschen mehr aus dem Arbeitsmarkt als neu hinzukommen
  • Mitarbeiter:innen-Gewinnungspotential im EU-Ausland weitgehend ausgeschöpft

Image der Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie:

  • Der Ruf als „krisensichere“ Branche hat durch den Corona-Lockdown und dessen wirtschaftliche Folgen (Entlassungen, lange Kurzarbeit, über 200.000 Arbeitskräfte sind abgewandert) massiv gelitten
  • Teile der Industrie werden mit schlechten Arbeitsbedingungen und geringer Bezahlung assoziiert (ausgelernte Fachkräfte verdienen teilweise weniger als ungelernte Hilfskräfte in anderen Industrien)
  • Anzahl der begonnenen Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie hat sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert
  • Teilweise werden mehr als die Hälfte der Ausbildungen abgebrochen (z.B. bei Köchen)

New Work:

  • Fortschreitende Akademisierung, Automatisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt
  • Neue Anforderungen an Arbeitgeber: Flexiblere Arbeitszeitmodelle und flachere Hierarchien
  • Besonderes Mindset der Generation Z (großes Bedürfnis nach Sicherheit und Sinnhaftigkeit am Arbeitsplatz)

Problemwahrnehmung in der Politik:

  • Andere Wirtschaftssektoren sind „auf dem Papier“ deutlich schwerer vom Mitarbeitermangel betroffen, die Industrie taucht in den Top-5 der am stärksten betroffenen Sektoren nicht auf
  • Teile der Mitarbeiter:innen (z.B. unqualifizierte „Helfer“ bei knapp 40% in der Gastronomie) finden sich nicht in Statistiken und fehlen somit offiziell nicht
  • Saisonabhängige und regionale Schwankungen vermitteln ein weniger drastisches Bild der Problematik

Wirtschaftliche & gesellschaftliche Folgen

  • Verkürzte Öffnungszeiten, mehr Ruhetage und ein eingeschränktes Angebot verschärfen die existenzielle Bedrohung tausender Unternehmen und Betriebe in ganz Deutschland
  • Schwächung der gesamten regionalen Wirtschaft und Wertschöpfungskette (Zulieferbetriebe, andere Dienstleister wie Banken, Einzelhandel etc.), vor allem im ländlichen Raum
  • Mögliche Verödung ganzer Regionen im ländlichen Raum
  • Die Bereitschaft jüngerer Generationen, Betriebe zu übernehmen, sinkt weiter
  • Mittelständische und inhabergeführte Strukturen werden langfristig verschwinden

Als Denkfabrik wollen wir dieses überlebenswichtige Thema aus drei Perspektiven angehen – Mitarbeiter:innen neu gewinnen, halten und zurückgewinnen.


    Unsere Top-5 Ideen

    1. Zu den besten Arbeitgeber:innen der Welt werden:
      Angemessene, faire Bezahlung gewährleisten, Work-Life Balance beachten, Benefits für Mitarbeiter:innen sowie Perspektiven auf Weiterentwicklung und Abwechslung anbieten (Austauschmöglichkeiten innerhalb der Unternehmen/der Industrie).
    2. Unattraktive Arbeitszeiten attraktiver machen:
      Steuer- und beitragsfreie Zuschläge auf Samstage ausweiten.
    3. Flächendeckend die 4-Tage-Woche ermöglichen:
      Einführung einer flexiblen Wochenarbeitszeit von 48h (EU-Arbeitszeitrichtlinie), um z.B. eine 4-Tage Woche rechtlich ohne Stundenreduzierung zu ermöglichen.
    4. Prinzip „Arbeitsvertrag reicht für Zuwanderung“:
      Ausweitung der Ländergruppe mit erleichtertem Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: erste Stufe: Indonesien, Indien, Philippinen, Vietnam; zweite Stufe: Pakistan, Hongkong, Macau, Singapur, weitere sollen folgen.
    5. Professionelle Marketing-Kampagne für Deutschland durch die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT):
      Dauerhafte Umsetzung von Mitarbeiter:innen-Anwerbekampagnen (Mitarbeiterland Germany) mit Fokus auf das Nicht-EU-Ausland.

    +++ Aktuelle Ukraine-Situation +++
    Mit ihrer integrativen und internationalen Ausrichtung kann die gesamte THFI eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme, Versorgung und Integration von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine spielen. Daher wollen wir ihnen eine langfristige Bleibeperspektive für ukrainische Kriegsflüchtlinge bis mindestens 2027 zusichern.

    +++ Aktuelle Preisentwicklung  +++
    Durch die aktuellen Krisen angefeuert, ist die Inflation in den vergangenen Monaten massiv angestiegen. Um die Arbeitnehmer:innen zu entlasten schlagen wir einen Inflationsausgleichsbonus finanziert durch die Arbeitgeber:innen vor (Einmalbonus bis zu drei Prozent des Jahresbruttogehalts, steuer- und sozialversicherungsabgabenfrei).


    Fokus I: Neue Mitarbeiter:innen gewinnen

    Top-Maßnahmen:

    1. Unattraktive Arbeitszeiten attraktiver machen: Steuer- und beitragsfreie Zuschläge auf Samstage ausweiten (bisher nur Sonn-/Feiertage).
    2. 4-Tage-Woche flächendeckend ermöglichen: Umsetzung neuer/ angepasster Arbeitszeitmodelle durch Einführung einer flexibleren Wochenarbeitszeit von 48 Stunden (EU-Arbeitszeitrichtlinie).
    3. Prinzip „Arbeitsvertrag reicht für Zuwanderung“: Ausweitung der Ländergruppe mit erleichtertem Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: erste Stufe: Indonesien, Indien, Philippinen, Vietnam; zweite Stufe: Pakistan, Hongkong, Macau, Singapur, weitere sollen folgen.
    4. Professionelles Marketing.Kampagne für Deutschland durch die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT): Dauerhafte Umsetzung von Mitarbeiter:innen- Anwerbekampagnen (Mitarbeiterland Germany) mit Fokus auf das Nicht-EU-Ausland.

    Weitere Vorschläge für die Politik:

    • Die Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt massiv ausweiten: Gesellschaftlicher und politischer Mentalitätswechsel: Wir wollen das Bewusstsein für Deutschland als ein modernes, offenes Einwanderungsland durch einen Debattenbeitrag zu diesem Thema schärfen.
    • Einen aktiven, zuwanderungsfördernden Ansatz verfolgen: Verlagerung der federführenden Zuständigkeit für Erwerbsmigration vom sicherheitspolitischen Bereich hin zum wirtschaftspolitischen, da es sich zuvorderst um ein wirtschaftspolitisches Thema handelt.
    • Beschränkungen des Arbeitsmarktes durch formelle Anforderungen wie Ausbildungszertifikate und Sprachnachweise abbauen: Sprachkenntnisse dürfen keine Barriere darstellen und die Wartezeit auf Job/Ausbildung unnötig verlängern.
    • Einen Jahrgang in jeder Berufsschule komplett auf Englisch anbieten (Deutschunterricht kann Arbeits-/Ausbildungsbegleitend und damit praxisnah erteilt werden).
    • Ad hoc Maßnahme: FOSA (Foreign Skills Approval, IHK) Anforderungen auf Anerkennung von Berufsabschlüssen straffen und vereinfachen, z.B. durch Verzicht auf Dokumente wie „Rahmenlehrplan“ der ausländischen Ausbildung.
    • Einführung von Berufsbildung als Schulfach, um Schüler: innen frühzeitig in Kontakt mit der Industrie zu bringen.

    Weitere Vorschläge für die Industrie:

    • Imagekampagne nach dem Vorbild von „Das Handwerk“ oder „Die Rekruten“ Dadurch gelingt gezieltes employer branding und USPs der Industrie wie Internationalität, Integrationsfähigkeit, junge Teams etc. werden betont.
    • Social Media einbinden: Auszubildende als Markenbotschafter/innen für den eigenen Auftritt auf Instagram, TikTok und Co. nutzen; das sorgt für eine zielgruppengerechte Ansprache und fördert gleichzeitig die Auszubildenden (Jugendliche verbringen bis zu 80 Prozent Ihrer Freizeit auf Social Media; Facebook hat in Deutschland 50 Mio. Nutzer).
    • Praktika/Messen/Branchentage in der Schule etablieren, um junge Menschen in Kontakt mit zukünftigen Arbeitgeber:innen aus der Industrie zu bringen und unabhängig vom Image positive Erfahrungen zu ermöglichen.
    • Ungenutzte Potenziale einbeziehen: Frauen, Quereinsteiger:innen, Silver Ager, Geflüchtete, Schulabbrecher:innen (10 Prozent eines Jahrganges) etc. gewinnen.
    • Ansprache der Gruppen auch an deren Lebensphase orientieren, z.B. flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuung, altersgerechtes Arbeiten etc.

    Weitere Vorschläge für Politik und Industrie:

    • Reduzierung der Ausbildungsdauer von 3 auf 2 Jahre, um einen niedrigschwelligen Einstieg in die Industrie anzubieten; Qualität der Ausbildung durch weitere berufsbegleitende Qualifizierungen gewährleisten, Prinzip: lebenslanges lernen
    • Über die Einführung eines flexiblen modularen Industrieabschlusses, der dem Wunsch nach Abwechslung entspricht, junge Talente gewinnen. Beispielhaft wird das erste Ausbildungsjahr überbetrieblich mit Modulen aus allen Bereichen der Industrie absolviert, anschließend folgt eine Spezialisierung oder eine feste Betriebszugehörigkeit.
    • Möglichkeit eines dualen Studiums (mit entsprechendem Abschluss) statt dualer Ausbildung für alle berechtigten Auszubildenden.

    Fokus II: Mitarbeiter:innen im System halten

    Top-Maßnahmen:

    1. Die besten Gastgeber:innen der Welt zu den besten Arbeitgeber:innen machen: Angemessene Bezahlung sicherstellen, Work-Life Balance beachten, Benefits anbieten, Perspektiven auf Weiterentwicklung und Abwechslung bieten (Austauschmöglichkeiten innerhalb der Unternehmen oder der Industrie).
    2. Unattraktive Arbeitszeiten attraktiver machen: Steuer- und beitragsfreie Zuschläge auf Samstage ausweiten (bisher nur Sonn-/Feiertage).
    3. 4-Tage-Woche flächendeckend ermöglichen: Umsetzung neuer/ angepasster Arbeitszeitmodelle durch Einführung einer flexibleren Wochenarbeitszeit von 48 Stunden (EU-Arbeitszeitrichtlinie).

    Weitere Vorschläge für die Industrie:

    • Umfassende Weiterbildungsangebote (auch in Kooperation mit anderen Betrieben), um wechselwillige Mitarbeiter: innen im Haus zu halten.
    • Systematischer Tätigkeitswechsel im Haus bzw. innerhalb der THFI (Jobrotation).
    • Eine einheitliche Online-Plattform für die Industrie, um dem Bedürfnis nach Veränderung entgegenzukommen und dabei Arbeitskräfte innerhalb des Systems zu halten.

    Weitere Vorschläge für Politik und Industrie:

    • Wohnraum für Mitarbeiter:innen attraktiv gestalten (Streichen der geldwerten Vorteilsbesteuerung, arbeitsnah, High-Speed Internet, ÖPNV Anbindung)
    • Bei Bau von Personalwohnungen die Möglichkeit zum vollständigen Vorsteuerabzug ermöglichen (obwohl Vermietung an “privat” erfolgt)
    • Moderne Managementkultur in der Industrie etablieren z.B. Teilhabe der Arbeitnehmer:innen an den Betrieben zur Förderung betriebswirtschaftlichen Denkens.
    • Austauschmöglichkeiten innerhalb der Industrie, auch international über ERASMUS+ Programm, anbieten.
    • Abbau von digitalen bürokratischen Hürden, um die Mitarbeiter:innen zu entlasten.

    Fokus III: Mitarbeiter:innen zurückgewinnen

    Top-Maßnahmen:

    1. Unattraktive Arbeitszeiten attraktiver machen: Steuer- und beitragsfreie Zuschläge auf Samstage ausweiten (bisher nur Sonn-/Feiertage).
    2. 4-Tage-Woche flächendeckend ermöglichen: Umsetzung neuer/ angepasster Arbeitszeitmodelle durch Einführung einer flexibleren Wochenarbeitszeit von 48 Stunden (EU-Arbeitszeitrichtlinie).
    3. Exit-Interviews mit scheidenden Mitarbeiter:innen flächendeckend einführen, um Anknüpfungspunkte für eine mögliche Rückkehr in die Industrie zu schaffen.

    Weitere Vorschläge für die Industrie:

    • Eine Industrieplattform, um im Falle von wechselwilligen Mitarbeiter:innen, diese in der Industrie zu halten.
    • Alumni-Netzwerk für ehemalige Mitarbeiter:innen der Industrie etablieren.
    Impressum: Denkfabrik UdW e.V., Chausseestr. 48a, 10115 Berlin; Stand: 12.07.2022
    Veröffentlicht am: 31. März 2022, Letzte Version vom: 22. September 2022
    Änderungen: